Direktvermarktung

Direktvermarktung von Trinkmilch nimmt zu

Betriebsbesichtigung auf dem Schusterhof

Auf dem Schusterhof der Familie Schroll in Aiglsham bei Pittenhart (Landkreis Traunstein) ist ein Wannenpasteur in Betrieb. Es trafen sich dort 56 Milcherzeuger aus Bayern und benachbarten Bundesländern, um sich den Arbeitsablauf und die Technik in der Praxis anzusehen.

Abfüllung

GERHARD SCHROLL beim Abfüllen der Milch.
Auch das Haltbarkeitsdatum muß er mit der Hand
aufkleben. Eine automatische Auszeichnungs-
anlage würde zu viel kosten und sich nicht
rentieren.

Die gesamte Investition für die Direktvermarktung der MiIch belief sich auf rund 80.000 €, wobei rund 50.000 € die Geräte und der Wannenpasteur kosteten. Dazu kamen gut 10.000 € Eigenleistung.

Ludwig Schroll hat 45 Milchkühe. Für die Pasteurarbeiten und die Vermarktung der TrinkmiIch ist überwiegend sein Sohn Gerhard verantwortlich.

Alterativer Energieeinsatz

Bei der Betriebsbesichtigung kam immer wieder die Frage auf, inwieweit auf alterativen Energieeinsatz für den Eis- und Kochwasserbereiter, die Flaschenspülmaschine und den Wannenpasteur zurückgegriffen wurde oder geplant sei. Darauf meinte Ludwig Schroll, daß jede Möglichkeit genau durchgerechnet werden müsse. Er habe sich für eine Erdwärmepumpe entschieden.

Abfüllen

Ein kritischer Punkt bei der Verarbeitung der Milch sei das Abfüllen. Hier gibt Gerhard Schroll den Rat, den Weg vom Pasteurbehäter zu den Flaschen so kurz als möglich zu halten, denn der Arbeitsvorgang sei mit vielen Handgriffen verbunden. Zur Zeit werden an zwei Tagen auf dem Schusterhof der Familie Schroll 280 Liter Trinkmilch hergestellt und in die Zwei- und Drei-Liter-Flaschen abgefüllt. Angestrebt werden rund 2.000 Liter Milch pro Woche.


Mit dem Geschäftsverlauf zeigten sich Gerhard und Ludwig Schroll zufrieden. Allerdings müsse am Anfang stark auf die Wünsche der Kunden eingegangen werden. Die besten Erfahrungen und Erfolge verzeichnete Gerhard Schroll bei der Werbung im persönlichen Gespräch. Schon nach wenigen Sätzen könne man sehen, ob es ein künftiger Kunde werde.

Kein Kochgeschmack bei der Behandlung der Milch im Wannenpasteur

Norbert Birkendorf von der Firma Etscheid wurde gefragt, ob die Milch bei der Behandlung im Wannenpasteur keinen Kochgeschmack annehmen würde. Dies sei durch ein in der Bauweise einfaches. aber im Rührergebnis effektives Rührwerk aus der Welt geschafft worden, erklärte Birkendorf. Bei der Vorreinigung der Milchflaschen durch die Kunden sei es wichtig, so Rainer Neige von der Firma Fink, daß die Kunden die Flaschen nur kalt vorspülen. Bei heißem Wasser bestehe die Gefahr, daß das Milch-Eiweiß reagiere und die Flaschen auch mit Reinigungsmitteln nicht mehr sauber würden.

Zukunftsaussichten

Ernst Wirthensohn vom Kulturland-Büro, der die Direktvermarktung von Trinkmilch in Seminaren lehrt und immer wieder Betriebsbesichtigungen organisiert, ist zuversichtlich, daß sich diese Art der Vermarktung von Trinkmilch flächendeckend durchsetzen könne. Doch nur wenige Betriebe würden die finanzielle Ausstattung aufweisen und die erforderliche Situation in der Familie haben.

Vor allem aber müsse der Direktvermarkter seinen Verkauf in einem Gebiet im Radius von 25 Kilometer mit einer Einwohnerdichte von etwa 30.000 Personen abwicklen. Inzwischen gibt es in Bayern insgesamt sieben Direktvermarkter von Trinkmilch. Das Interesse an dieser Art der Vermarktung aber sei groß, meint Wirthensohn.

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